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Beitrag Gewerbezeitung: Kaputte Schweiz kann man nicht ersetzen

9. April 2021

Der menschgemachte Klimawandel und die damit verbundene Erderwärmung wird inzwischen von niemandem mehr in Frage gestellt, denn die Auswirkungen sind schon heute deutlich spürbar und wissenschaftlich nachgewiesen. Das fossile Zeitalter als solches wird historisch gesehen als kurze Episode in die Weltgeschichte eingehen. Wir tun also so oder so gut daran, einen Wandel einzuleiten.

Die fossilen Energien gehören aber ­keinesfalls verteufelt, sie haben uns Fortschritt, Industrialisierung und Wohlstand gebracht. Das damit verbundene Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum hat das System aber an seine Grenzen gebracht – mit unübersehbaren Auswirkungen. Nicht zuletzt auch deshalb hat das Schweizer Volk der Energiestrategie 2050 mit überwältigendem Mehr zugestimmt und damit ein erstes Massnahmenpaket lanciert. Mit dem revidierten CO2-Gesetz setzen wir diesen Weg fort und sichern Kontinuität beim Erreichen der Ziele aus dem Abkommen von Paris.

Kurz- oder Langfristdenken
Es geht aber um weit mehr als nur Kontinuität: Es geht um Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und nächsten Generationen. Wer diese Verantwortung ernst nimmt, muss sich Gedanken zum Unterschied von kurzfristiger Gewinnmaximierung versus langfristiger Renditen machen. Haben wir womöglich verlernt, mit Geduld zu säen, um später zu ernten? Lockt uns nicht oft das schnelle Schnäppchen auf Kosten anderer deutlich mehr als die nachhaltige Investition mit langfristiger Rendite?

Mit dem neuen CO2-Gesetz bauen wir die Brücke: Investitionen in erneuerbare Technologien schaffen heute einen signifikanten Mehrwert und wirken nachhaltig für die Zukunft. Diese Erkenntnis ist ­übrigens auch in der Finanzwelt gereift: Larry Fink, der Chef des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock, schrieb Mitte Januar an die Konzernchefs dieser Welt: «Das Bewusstsein ändert sich rasant, und ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen.» Aktuelle Entwicklungen, derer sich immer mehr Finanzmarktakteure bewusst werden, deuten darauf hin, dass Fink recht haben könnte. Aber auch in der Wirtschaft und im Gewerbe ist zu beobachten, dass immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeits- und Klimaaspekte in ihre Produkte und Dienstleistungen integrieren. Nachteile im Wettbewerb oder sogar Reputationsschäden sind die Alternative. Unternehmer, die das erkannt haben, ­erwarten auch, dass ihre Lieferanten mitziehen, wodurch eine Klimaschutz-Kaskade in der ganzen Wertschöpfungskette in Gang kommt.

Argumente der Wirtschaft für das neue CO2-Gesetz
Das neue CO2-Gesetz schafft die notwendigen verlässlichen Rahmenbedingungen, um gemeinsam diese grosse gesellschaftliche Herausforderung zu meistern. Unternehmen erhalten damit die lang erhoffte Planungssicherheit – eine unabdingbare Voraussetzung für Investitionen. Als gut austarierter, schweizerischer Kompromiss nutzt das CO2-Gesetz bestehende Instrumente und verhindert zusätzliche Bürokratie. Die liberale Ausgestaltung mittels Zielvorgaben lässt grösstmögliche unternehmerische Umsetzungsfreiheit. Und die nationale Dimension bringt eine Harmonisierung der Vorschriften und damit eine Deregulierung.

Gerade Krisen wie die aktuelle Pandemie zeigen, wie wichtig eine stabile Wirtschaft für ein Land ist. Wir tun also gut daran, in unsere eigene Infrastruktur, Forschung, Wirtschaft, Gewerbe und sichere inländische Arbeitsplätze zu investieren, anstatt Geld in politisch instabile Regionen dieser Welt zu exportieren.

Es gibt im Leben nie ein Optimum, ­sondern immer nur Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt. Beim neuen CO2-Gesetz überwiegen ganz klar die ­Vorteile. Das Komitee «Schweizer Wirtschaft für das CO2-Gesetz» spricht sich des­halb – zusammen mit Bundesrat und Parlament – für ein Ja zum CO2-Gesetz aus, und damit für einen vernünftigen und bezahlbaren Massnahmenmix zum Erreichen der Klimaziele zu Gunsten ­heutiger und nächster Generationen.

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